Prof. Dr. Friedland

Nachruf

Prof. Dr. Erich Karl Helmut Friedland
(4. Mai 1933 – 29. Dezember 2020)

 

 

Ein Mann der seinen Beruf und sein Engagement für die Gemeinschaft als Berufung gesehen hat.

 

 

Erich Karl Helmut Friedland wurde am 4. Mai 1933 in Thüringen geboren. Die Familie flüchtete 1950 aus der DDR in den Westen. Das Abitur absolvierte er in Duisburg am Max-Planck-Gymnasium im Jahr 1952. Erich Friedland bekam 1952 eine Assistentenstelle am National Physics Laboratory der CSIR. Im Abendstudium studierte Erich Friedland an der Universität Pretoria und erwarb 1956 den Bachelor in Physik und Chemie mit Auszeichnung. Während des Masterstudiums in der Physik, bekam er einen Posten als Technischer Assistent an der Universität Pretoria. Den Mastertitel erwarb er 1958 mit Auszeichnung und wurde 1959 zum Lektor befördert. Er promovierte 1965 und arbeitete im Jahr darauf als Gastwissenschaftler am Kernforschungszentrum in Karlsruhe. Nach seiner Rückkehr nach Südafrika 1967, wurde er zum Senior Lektor befördert und 1972 zum Professor an der Universität Pretoria ernannt.

 

Professor Erich Friedland war ein international angesehener Wissenschaftler, der in Deutschland, aber auch in den USA, England, Holland und Dänemark in wissenschaftlichen Instituten gearbeitet hat. Nach seiner Pensionierung hat er noch viele Jahre an der Universität, wie auch auf der Internationalen Bühne, Forschung geleitet und Doktoranden begleitet.

 

Professor Doktor Erich Friedland ist am 13. Oktober 1975 in den Vorstand des Deutschen Schulvereins Pretoria als 2. Schriftführer kooptiert worden. In dieser Zeit war er auch sehr aktiv in der „Schulaktion 75“ und der „Aktion Selbsthilfe“, die für den Bau und der Fertigstellung der „neuen“ Schule in Die Wilgers mitverantwortlich waren. In der „Schulaktion 75“ leitete er die Initiative Spenden von Firmen zu sammeln.

 

Seit der Jahreshauptversammlung 1978 war Professor Friedland der 1. Vorsitzende des Deutschen Schulvereins Pretoria. Dieses Amt hat er, mit einigen berufsbedingten Unterbrechungen, bis zur Jahreshauptversammlung 1995 mit sehr viel Idealismus und Freude erfüllt. Unter seiner Leitung wurde der Bau der Schule abgeschlossen. Diese schloss auch den Bau der Aula, der Sporthalle, das Schwimmbad und das Schülerheim ein. Den Erweiterungsbau für die Neue Sekundarstufe plante er erfolgreich bis zur Umsetzung.

 

Professor Friedland hat den Vorsitz zu einer Zeit übernommen, als die ersten Öffnungsbestrebungen für nicht deutschsprachige Kinder in der Schulgemeinschaft diskutiert wurden. Was heute eine Selbstverständlichkeit geworden ist, war damals eine fast unüberwindbare Hürde – nicht nur seitens der Landespolitik, sondern auch vom Verständnis der Deutschen Gemeinde in Pretoria. Dank des Weitblicks von Professor Friedlands haben wir heute eine Schule, an der sich viele andere Schulen ein Beispiel nehmen können.

Hierzu bedurfte es einer Vision, hierzu bedurfte es eines Mannes, der die realen Gegebenheiten der Gegenwart ebenso im Auge hatte, wie die der Zukunft. Eine Person wie Professor Friedland, die ihre Ansichten auch bei Gegenwind vertreten, und Gegenspieler überzeugen konnte.

 

Nach dem Ausscheiden aus dem Vorstand wurde Erich Friedland an der Jahreshauptversammlung 1996 zum Ehrenmitglied des Schulvereins gewählt. Im Jahre 1997 wurde Professor Friedland mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande vom Bundespräsidenten ausgezeichnet. Diese Ehrung zeigt die Achtung, die Professor Friedland aus Deutschland entgegengebracht wurde.

 

Nach 1995 war Professor Friedland noch 20 Jahre Vorsitzender Treuhänder der Neitz-Stiftung und später auch der Snyckers Stiftung. Stets zeigte er sich sehr interessiert an der Schule und suchte immer wieder das Gespräch mit dem jeweiligen Vorsitzenden vom Schulverein. Er hatte immer ein offenes Ohr und war bereit, die jeweilige Situation zu erörtern und seine Erfahrung einzubringen.

 

Als Schule haben wir ihn und seine Frau als Gast immer gerne gesehen. Er hat sich nicht gescheut zwischen und mit den Kindern im großen Schulorchester mitzuwirken.

 

Diese Schulgemeinschaft ist Professor Friedland zu großem Dank verpflichtet und wir wollen sein Gedenken ehren. Sein ehrenamtliches Engagement, seine Treue zur Schule und zur Sache ist uns ein Vorbild, dem wir alle nachstreben können. Eine Schule braucht Idealisten wie Professor Erich Friedland, um das Fortbestehen der Schule zu sichern.

 

Seiner Familie möchten wir unsere aufrichtige Anteilnahme in dieser Zeit der Trauer aussprechen.

 

Der Deutsche Schulverein Pretoria, die Schulleitung, das Kollegium, die Schüler und Schülerinnen sowie die Mitarbeiter der Deutschen Internationalen Schule Pretoria.

 

(A Rüsch; W Johannes; W Ehrich)